Das Schutzengeli hat meine Mutter vor Jahren auf dem Weihnachtsmarkt gekauft. Sie schenkte es damals meinem Vater. Seither hat es aber schon vielen Menschen geholfen. Mein Vater lieh es meiner Mutter aus, als sie Prüfungen schreiben musste. Und einem Kollegen, als seine Lehrprüfung anstand. Auch bei meinem allerersten Test, das war in Deutsch in der dritten Klasse, durfte ich es mitnehmen. Es gab mir damals Sicherheit. Mittlerweile hat das Engeli schon einen Fuss und einen Arm verloren, aber es bringt immer noch Glück und das finde ich das Wichtigste.
Die Gymiprüfung entscheidet über meine Zukunft, darum habe ich sehr viel dafür gelernt. Irgendwann dachte ich mir, ich gebe jetzt einfach mein Bestes und dann kommt es, wie es kommen muss. Das Engeli stellte ich vor mir aufs Pult. Aber ich habe es dann gar nicht angeschaut, ich spürte die ganze Zeit, dass es da war. Ich hatte auch das Gefühl, dass meine Eltern während der Prüfung bei mir sind, denn sie hatten mir das Engeli schliesslich ja mitgegeben.»
Lina ist zwölf Jahre alt und besucht die 6. Klasse Primarschule in der Stadt Zürich
