Der Morphofalter schimmert blau. Obwohl ihm Farbpigmente fehlen. Seine Flügel sind mit unzähligen dünnen Schuppen besetzt, die aufgeschichtet sind wie Ziegel auf einem Dach. Sie fangen die blauen Lichtwellen auf und reflektieren sie. Auf den Flügeln des Schmetterlings, der in Zentralamerika verbreitet ist, leuchtet der Himmel.
Ed O’Brien ist Gitarrist der grandiosen Band Radiohead. Sein zweites Soloalbum trägt den Titel «Blue Morpho» und ist dem schillernden Schmetterling gewidmet. In seinen Liedern erzählt er von den Wundern der Schöpfung, in denen sich der Himmel spiegelt wie auf den Flügeln des flatternden Insekts.
Der Stillstand
Vor sechs Jahren rutschte O’Brien in eine lähmende Lebenskrise. Zuvor war das Leben des heute 58-jährigen Musikers 25 Jahre lang bestimmt worden von Radiohead, der Arbeit an den oft stilbildenden Platten, den Tourneen. Die fünf Freunde hatten ihre Karriere einst mit der Aussenseiterhymne «Creep» lanciert und sich seither musikalisch kontinuierlich weiterentwickelt.
Zudem hatte O’Brien soeben sein Solodebüt veröffentlicht. «Earth» war geprägt vom halben Jahr, das er mit der Familie in Brasilien am Rand des Regenwalds verbracht hatte. «Die Zeit hat sich unauslöschlich in mein Herz eingebrannt», sagt er. Synkopische Rhythmen und elektronische Experimente kombinierte O’Brien mit kreisenden, zurückhaltend gesungenen Melodien und Versatzstücken aus der Volksmusik unterschiedlicher Kontinente.
