Sein Leben böte Stoff für einen spannenden Historienfilm. Szene 1: der Künstler am Werk, um Inspiration ringend an der Leinwand, auf der sich in Umrissen bereits das bekannte Bild «Das Urteil des Paris» abzeichnet.
Szene 2: Der Protagonist als Teilnehmer an einem wüsten Gelage in einem eidgenössischen Heerlager während der Italienischen Kriege. Szene 3: Der Kriegsmann hat einen verstörenden Traum, der ihm psychisch arg zusetzt.
Szene 4: Zurück in seiner Heimatstadt Bern, beginnt der Künstler, auch als Schriftsteller und Theaterdichter aktiv zu werden. Szene 5: Der Künstler wird Staatsmann und kümmert sich als Landvogt von Erlach engagiert um die Bedürfnisse der Bauern.
Szene 6: Der 44-Jährige erlebt im Januar 1528 die Berner Disputation. Im Zuge dieses Religionsgesprächs darf er zwei Jahre vor seinem Tod die Früchte seiner reformatorischen Bemühungen ernten: Bern tritt zum neuen Glauben über und wird somit zum einflussreichen evangelisch-reformierten Stadtstaat.
Er nahm kein Blatt vor den Mund
Diesen Film gibt es (noch) nicht. Beim Mann hingegen, von dem hier die Rede ist, handelt es sich um eine historische Persönlichkeit: 500 Jahre ist es her, seit Niklaus Manuel als Verfechter eines erneuerten Glaubens und als Gegner der römischen Papstkirche an die Öffentlichkeit trat. Im Jahr 1523 wurden nämlich zwei Fasnachtsspiele aus seiner Feder aufgeführt, «Vom Papst und seiner Priesterschaft» und «Von Papsts und Christi Gegensatz». Diese beiden polemischen Schauspiele heizten die ohnedies antiklerikale Stimmung, die weite Teile der europäischen Christenheit erfasst hatte, zusätzlich auf und schufen ein Klima, in dem sich das reformatorische Gedankengut der Berner Geistlichkeit um den Prediger Berchtold Haller entfalten konnte.
