In einen roten Mantel gehüllt, malt der heilige Lukas an einer Staffelei die Madonna mit dem Jesuskind. Doch ein Modell fehlt. Der Maler blickt nach oben, wo goldene Strahlen leuchten. Er malt seine Vision.
Dieses Gemälde des Berner Malers Niklaus Manuel Deutsch (1484–1530) ist derzeit in der Ausstellung «Das volle Leben» im Kunstmuseum Bern zu sehen. Sie zeigt Werke aus Spätmittelalter und Barock aus der Sammlung. Bilder Manuels und der Berner Nelkenmeister bilden einen Fokus. Sie entstanden kurz vor der Reformation und entgingen dem Bildersturm – anders als die meiste geistliche Kunst in Bern.
Altäre für das Seelenheil
Alle Bilder sind Altargemälde aus Berner Kirchen. In diesen gab es vor der Reformation Privatkapellen mit Altären, meistens gestiftet von reichen Stadtbürgern. Gemäss damaliger Vorstellung sicherte eine solche Stiftung das eigene und das Seelenheil der Familie. «Da die Reichen sich so einen ‹Schatz im Himmel› anlegen konnten, stiessen diese Kapellen bei Ärmeren auf Kritik», erläutert die Kunsthistorikerin Charlotte Gutscher, die über die Zeit der Berner Reformation forscht.
Am 26. Januar 1528 schloss sich Bern der Reformation an. In den Tagen darauf wurde nahezu sämtliche kirchliche Kunst entfernt und zumeist zerstört. Die Stifterfamilien durften zwar ihre Schenkungen zurücknehmen. Das geschah aber nur bei einigen neueren Werken, deren Herkunft noch nachweisbar war.
