Irina Lebedewas Bruder wurde in der russischen Armee brutal zusammengeschlagen. Soldaten seiner Abteilung hatten gegen ihn aufgehetzt. Er wurde am Kopf verletzt, erlitt einen Schlaganfall und konnte dann zeitweise nicht mehr sprechen. Noch heute erhebt sich Lebedewas Stimme, ihre Wangen erröten, als sie erzählt, was sich vor mehr als 30 Jahren zutrug. «Mein Vater hat sich danach jahrelang um die medizinische Versorgung und die Rechte meines Bruders gekümmert», sagt sie.
Verantwortung übernahm die Armee keine, bestraft wurde niemand. Dafür lernte die Familie alle rechtlichen Instanzen kennen. Darauf meldeten sich Bekannte, deren Angehörige Ähnliches durchgemacht hatten, bei ihr. Sie begann, sie zu beraten. Etwa, wie sie ihre Rechte einfordern und den Staat zur Rechenschaft ziehen konnten. Aus der Freiwilligenarbeit sind die Soldatenmütter entstanden, die heute zu den führenden Menschenrechtsorganisationen in Russland gehören und sich für Wehrdienstleistende und Stellungspflichtige einsetzen. Rund 10 000 Soldaten beraten und betreuen sie pro Jahr.