«Es gibt noch ganz viel zu tun!» Der Satz kommt ohne Zögern, wie eine Selbstverständlichkeit. Ruth-Gaby Vermot-Mangold wirkt energiegeladen, als sie ihn gegen Ende des Gesprächs sagt. Das Amt als Präsidentin der Organisation «Friedensfrauen Weltweit» gibt sie nach 20 Jahren im Amt ab. Das heisst aber nicht, dass die 85-jährige Ethnologin, Politikerin und Feministin nun gänzlich in den Ruhestand tritt.
Ruth-Gaby Vermot hat in ihrem Leben enorm viel erreicht. Aber es war kein in die Wiege gelegter Erfolg. Nach den Themen gefragt, die ihr Leben geprägt haben, beginnt Ruth-Gaby Vermot am Tisch in ihrer hellen Wohnung in der Stadt Bern zu erzählen: geradlinig, gehaltvoll und ausführlich.
Arm und unsicher
Als eines von fünf Kindern von Taglöhner-Eltern in Solothurn ist sie in den 1940er-Jahren aufgewachsen. Die Armut in ihrer Familie habe viel Unsicherheit in ihr ausgelöst, sagt Vermot.
Unter anderem wegen ihrer Linkshändigkeit, die nicht habe sein dürfen, und ihres Verhaltens habe eine Lehrerin zu ihrer Mutter gesagt, das Mädchen müsse zum Psychiater. Doch in diesem Moment erfuhr Ruth-Gaby, was sie zeitlebens stützend empfand für ihr Selbstbewusstsein: «Meine Mutter sagte einfach, ich bräuchte keinen Psychiater, ich müsste einfach mit der linken Hand schreiben können.»
