In einer geöffneten Handfläche liegt Erde. Aus ihr wachsen Gräser, Blumen und Bäume. Wurzeln reichen zum unteren Rand des Bildes, darüber leuchtet die Sonne, und Vögel fliegen in den Himmel.
Mit dieser in Erdfarben gehaltenen Collage hat die Grafikdesignerin Alessandra Jenni eine Ausschreibung für die Gestaltung des Hungertuchs 2027/28 gewonnen. Ihr Werk mit dem Titel «Was uns trägt» wird in den kommenden zwei Jahren während der Fastenzeit in Kirchen in der ganzen Schweiz hängen.
«Ehrlich gestanden musste ich zuerst einmal googeln, was ein Hungertuch genau ist», erzählt die 26-Jährige beim Treffen in Luzern. Sie lacht, als sie erfährt, dass es der Autorin gleich ging.
Der kirchliche Brauch hat seine Ursprünge im Mittelalter. Hungertücher wurden vor dem Altar oder dem Chorraum aufgehängt, damit Gläubige vor Ostern auch mit den Augen «fasteten» und nichts ihren Blick und ihre Gedanken ablenkte.
Zum Nachdenken anregen
Die heutigen Hungertücher sollen zum Nachdenken und Diskutieren anregen: bei der aktuellen Ausgabe über die Themen Hunger, Nahrung und fruchtbarer Boden. So lautete die Aufgabe der kirchlichen Hilfswerke Fastenaktion und Heks. Sie luden Studierende der Hochschule für Kunst und Design in Luzern ein, Entwürfe einzureichen. 13 Personen beteiligten sich, Alessandra Jennis Entwurf gewann.
