Zuweilen helfen sich die Flüchtlinge auch selbst. Ein Beispiel dafür ist die Casa Sankara. Die beiden Senegalesen Hervé Faye und Mbaye Ndaye gründeten vor 14 Jahren diese fast autark funktionierende Siedlung. Die Casa Sankara verfügt über einen legalisierten Status, das Land wird von der Kommune bereitgestellt. «Zuerst war die Skepsis bei den Behörden gross, doch dann erhielten wir grünes Licht, weil die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung gesehen haben, dass wir ein Modell betreiben, das funktioniert», erklärt Faye.
Keiner wird abgewiesen
Auf einem 20 Hektar grossen Gebiet zwischen Foggia und Lucera wohnen bis zu 500 Migranten. Ein Trägerverein kümmert sich um deren Aufnahme. Die Menschen erhalten eine Adresse und sind so offiziell angemeldet. «80 Prozent der Leute haben nach ihrem Aufenthalt hier die nötigen Papiere, die sie zum legalen Arbeiten und Leben brauchen.» Und Faye betont, dass «niemand abgewiesen wird».
Die Migranten wohnen nicht nur hier, sie bestellen auch die Felder und ernten Gemüse, unter anderem zur Herstellung von Dosentomaten. Für die landwirtschaftliche Produktion ist eine eigens dafür gegründete Kooperative zuständig. Auch hier lässt der italienische Staat jedweden Beistand vermissen, während von der Region Apulien und sogar über EU-Töpfe finanzielle Unterstützung floss. Inzwischen ist aber auch diese versiegt. Die Siedlung trägt sich weitestgehend selbst und ist darüber hinaus auf Spenden angewiesen. Seit die rechte Regierung unter Giorgia Meloni im Amt ist, hat sich die Situation für Migranten stetig verschlechtert.
Haus der Würde
Nicht gut zu sprechen auf die Regierung ist Don Antonio Polidoro. Der Priester betreut die Casa Betania in Serra Marina di Bernalda in der Basilikata, der Region zwischen Apulien und Kalabrien. Es ist eine weitere nichtstaatliche Einrichtung, die das Elend von Arbeitsmigranten bekämpft. Die Casa Betania ist wie die Unterkunft in Corato schlicht und nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Sie gehört der Kirche und bietet rund 30 Plätze.