Dennoch zeichnen sich Verbesserungen ab, die es Konsumentinnen und Konsumenten künftig erleichtern könnten, Kaufentscheide bewusster zu fällen. Denn in Europa haben einzelne Biolabels begonnen, auch soziale Kriterien zu überprüfen. Der Schweizer Dachverband Bio Suisse zertifiziert Produkte mit dem «Knospe»-Label, sie finden sich in grossem Stil unter anderem bei Coop und in Bioläden. Seit 2023 kontrolliert der Verband in Spanien neben Bio-Kriterien auch die Arbeitsbedingungen, 2024 startete er damit in Italien.
Bio Suisse reagiert
Bis 2029 würden alle Bio-Suisse-Betriebe weltweit regelmässig und den Risiken entsprechend auf Sozialstandards überprüft, sagt Noah Ramos, Projektleiter Soziale Verantwortung International. Weil es noch immer zu Verletzungen des Arbeitsrechts komme, obwohl viele Landwirtschaftsbetriebe andere Zertifizierungen vorweisen könnten. Wie beispielsweise das weniger strenge GlobalGAP/Grasp.
Auch Bio Suisse arbeitet im Ausland mit externen Kontrolleuren zusammen. Diese würden jedoch intensiv geschult und regelmässig auf Kontrollen begleitet. Neben der Prüfung von Lohn- und Arbeitszeitnachweisen führen sie Interviews mit Mitarbeitenden. Für ausländische Produzenten soll der gleiche Sozialstandard gelten wie für Schweizer Knospe-Betriebe.
Neu nimmt auch der Dachverband für fairen Handel, Fairtrade International, Europa mehr in den Blick: Er hat erste Pilotprojekte in Europa gestartet, darunter eines mit Dosentomaten aus Italien.
Arbeitende müssen im Bild sein
Bio Suisse schliesst zudem eine künftige Zusammenarbeit mit Appellando nicht aus. Den Aufbau eines Beschwerdesystems begrüssen NGOs im Grundsatz, allerdings beobachten sie die Umsetzung genau. Die Möglichkeit, Missstände zu melden, sei wichtig, sagt etwa Sandra Dusch Silva. «Entscheidend ist aber, dass die betroffenen Arbeiterinnen und Arbeiter überhaupt wissen, dass es so ein System gibt.»
Auch Aktivist Yvan Sagnet, der sich für die Rechte von Erntehelfern in Italien engagiert, ist mit Appellando in Kontakt. Das Engagement von Bio- und Fair-Trade-Verbänden sieht er positiv. Entscheidend sei für ihn aber, «dass diese Organisationen mit NGOs und Gewerkschaften zusammenarbeiten, die sich mit der Kontrolle von Sozialstandards im jeweiligen Land bereits auskennen».