In den vergangenen 47 Jahren unter dem Mullah-Regime mussten die meisten iranischen Künstlerinnen und Künstler unter enorm schwierigen Bedingungen arbeiten, um ihrem Schaffen Ausdruck zu verleihen. Und wenn sie hierfür in ihrer Heimat tatsächlich einen Weg gefunden hatten, so liessen die Folgen in Form von staatlicher Repression selten lange auf sich warten. Zumindest wenn die Kunst nicht den Vorstellungen der streng schiitisch-religiösen Elite in der theokratischen Diktatur entsprachen.
Einer der bekanntesten Künstler Irans ist der Regisseur Jafar Panahi («Taxi Teheran»), der sich seit Jahrzehnten von keinem offiziellen Drehverbot abhalten lässt, seine Filme im Iran zu produzieren. Auch in seinem neuesten Werk «Ein einfacher Unfall» nimmt er kein Blatt vor den Mund und kritisiert die politischen Umstände in seinem Land direkt und schonungslos. Panahi, der selbst schon mehrfach im Gefängnis sass, wurde 2025 für sein Drama um einen ehemaligen Häftling, der in Freiheit auf seinen Peiniger trifft, mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet und ist nun auch für den Oscar nominiert. Panahi hat in seinem Leben schon sehr viel geopfert, um sich und seiner Kunst treu zu bleiben. Der 65-Jährige steht dabei vermutlich am prominentesten für den Widerstandswillen iranischer Kunstschaffender – er ist aber bei weitem nicht alleine.
Reichhaltige Szene
Denn Irans Kulturszene ist trotz Unterdrückung vielseitig und reichhaltig. Auch wenn viele Vertreterinnen und Vertreter in den vergangenen Jahren den Weg ins Exil suchten, weil die Gefahr für ihr Leben schlicht zu gross wurde. Eine davon ist Sahar Tavakoli, die Ende 2023 in der Schweiz Zuflucht vor dem Regime fand. Der 47-jährigen Schriftstellerin, Fotografin und Übersetzerin drohte die Verhaftung durch die Revolutionsgarden. Tavakoli schaut mit Entsetzen auf die Taten des iranischen Regimes: «Die Niederschlagung der Proteste vor einigen Wochen mit Zehntausenden von Toten ist eine so in der Dimension noch nie dagewesene Brutalität.» Mit dem Tod des geistlichen Führers Chamenei nach den Angriffen der USA und Israel sei ein erster Schritt hin zum Fall der Diktatur gemacht. Eine grosse Mehrheit im Volk wolle eine neue Verfassung und einen grundlegenden Wandel.
