Eine eindrückliche Installation zur Geschichte Zürichs

Ausstellung

«Zehn Leben – Die Geschichte einer Stadt» wird um ein Jahr verlängert. Anhand von zehn Lebenswegen taucht man mittels Audioguide in das urbane Zürich vergangener Epochen ein.

Was haben «Heidi»-Autorin Johanna Spyri, Dadaist Walter Mehring und Metal-Musiker Martin Stricker gemeinsam? Da die ersten beiden Personen hierzulande vielen ein Begriff sein dürften, kommt man schnell zur Vermutung: Das könnten alles Menschen sein, die mit Zürich verbunden sind. Und so ist es – alle drei haben in der grössten Schweizer Stadt gelebt und ihre Spuren hinterlassen. Und sie alle sind auf dem Friedhof Sihlfeld begraben. 

Seit September 2025 ist dort die Audioinstallation «Zehn Leben – Die Geschichte einer Stadt» im Friedhof Forum zu sehen. Anhand von Spyri, Mehring, Stricker und sieben weiteren mal mehr, mal weniger prominenten Zürcherinnen und Zürchern erhält man einen spannenden und vor allem vielseitigen Einblick in vergangene Lebenswelten.  Eigentlich sollte seit Mitte Juli Schluss sein mit der Ausstellung, doch aufgrund der grossen Nachfrage wird sie nun um ein weiteres Jahr bis Juli 2027 verlängert. Es bleibt also noch genug Zeit, um in diese zehn Leben aus unterschiedlichsten Epochen einzutauchen. 

In dieser raumfüllenden Installation lässt es sich bequem einrichten und mittels Audioguide den Erzählungen lauschen, die vom Schauspieler Thomas Sarbacher eingesprochen wurden. Der Eintritt ist frei. Ziel sei es, «der Zürcher Bevölkerung die Geschichte der Stadt niederschwellig, frisch und konkret zugänglich zu machen», wie es der Medienmitteilung zur Ausstellungsverlängerung zu entnehmen ist.  

Von Spyri über Bürkli bis Wechsler

Den Anfang macht Johanna Spyri, die grosse Teile ihres Lebens in Zürich verbrachte und um 1880 herum ihre erfolgreichen Heidi-Romane veröffentlichte. Es schliesst sich ihr Zeitgenosse, der Stadtingenieur Arnold Bürkli an, der sein Büro in Spyris Wohnhaus hatte. Der Reigen setzt sich fort mit Kronenhalle-Gründerin Hulda Zumsteg, Dadaist Walter Mehring und Filmproduzent Lazar Wechsler, die alle in den Dekaden Mitte des 20. Jahrhunderts im Zenit ihres Wirkens standen.  

Mit Mariella Mehr erreicht die Chronologie die Nachkriegszeit. Die Schriftstellerin musste als Kind von Jenischen die leidvolle Erfahrung sogenannter fürsorglicher Zwangsmassnahmen machen. Danach finden die Besucherinnen und Besucher mehr über die Viten der heroinabhängigen Brigitte B., der Stadträtin Emilie Lieberherr, des Arbeitsmigranten Mario Brusadin und des Musikers Martin Stricker heraus. Letzterer dürfte vielen unbekannt sein – doch Fans harter Gitarrenmusik ist er durchaus ein Begriff. Als Mitglied der Death- und Black-Metal-Band Celtic Frost geniesst er Legendenstatus in der Szene und gründete ein ganzes Spartengenre mit.  

Gelungenes Panoptikum

Die zehn Leben im Friedhof Forum sind ein gelungenes Spiegelbild und Panoptikum des urbanen Zürichs und zeugen eindrücklich davon, wie sich Mentalitäten, Lebensformen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in den letzten rund 200 Jahren verändert haben. Ein grosszügig bebilderter Begleitband ergänzt den Hörtext in einer Art Fotoroman. 

«Zehn Leben – Die Geschichte einer Stadt». Friedhof Forum Sihlfeld, Aemtlerstrasse 149, Zürich. Bis 15. Juli 2027, geöffnet jeweils Di-Do und So von 13.30 bis 17.30 Uhr.