Ist der Bettag nicht aus der Zeit gefallen?
Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen.
Ralph Kunz ist Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich. (Illustration: grafilu)

Ist es noch zeitgemäss, wenn eine Bundesrätin oder ein Bundesrat einen Eid ablegt, der mit den Worten «Ich schwöre vor Gott dem Allmächtigen» beginnt? Passt es noch, dass die Bundesverfassung im «Namen Gottes des Allmächtigen» anfängt? Und wie steht es um die gesetzlich vorgegebenen christlichen Feiertage, die Sonntagsruhe oder das Recht der Kirche, Steuern einzuziehen?
Ich weiss, das ist keine Antwort auf Ihre Frage! Ich will den Bettag in eine Reihe religiöser Traditionen stellen, die im säkularen Klima der Gegenwart wie Relikte aus einer anderen Epoche wirken. Das gilt auch für den eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, der am 1. August 1832 von der eidgenössischen Tagsatzung eingeführt wurde. Der ökumenische Bettag hatte nach dem Sonderbundskrieg 1847 eine wichtige Funktion für den Zusammenhalt des jungen Bundesstaates. Ob 179 Jahre später der Bettag noch diese Bedeutung hat, ist durchaus fraglich. Sein sprachliches und rechtliches Gewand atmet den Geist des 19. Jahrhunderts. Doch das macht ihn nicht überflüssig. Der kulturelle Klimawandel hat die Tradition verflüssigt. Ich sehe darin eine Chance, den Tiefensinn des Feiertags neu zu entdecken und gemeinsam vor Gott zu fragen: Wofür sind wir dankbar? Was läuft schief in unserem Land? Wo sind wir auf Fügung und göttlichen Beistand angewiesen?
Nicht alle finden es zeitgemäss, so zu fragen, aber es könnte sachgemäss sein. Denn was haben wir, was wir nicht empfangen haben? Wie wollen wir aus dem, was wir uns selbst eingebrockt haben, ohne göttlichen Beistand heil herauskommen? Zu sagen, wir befänden uns in einer Krise, ist wohl eher untertrieben. Vielleicht ist die Bereitschaft, auf die KI zu vertrauen, in der aktuellen Grosswetterlage wieder im Steigen begriffen. Ich meine mit KI natürlich die Kirchliche Intelligenz.
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Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen: Corinne Dobler (Seelsorge), Martin Bachmann und Salome Roesch (Partnerschaft und Sexualität) und Ralph Kunz (Theologie).
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