Ostern steht vor der Tür. Gefeiert wird es, weil Frauen das Grab des galiläischen Wanderpredigers Jesus, der vor 2000 Jahren von den Römern am Kreuz hingerichtet wurde, am dritten Tag leer vorfanden. Der Gekreuzigte sei, so berichten es die Evangelien, von den Toten auferstanden. Die Auferstehung gehört zum Kerngut des christlichen Glaubens und ist ein Zeichen dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Ohne die Auferstehung wäre der Jüngerkreis des Meisters aus Nazaret damals auseinandergefallen. Ostern aber legte, so berichtet die Bibel, den Keim zu einer Neubelebung der Jesus- beziehungsweise Christusbewegung. 50 Tage später erwachte sie an Pfingsten endgültig zur ihrer vollen Kraft.
Gegen die Vernunft?
Aber ausgerechnet an die Auferstehung können – zumindest in den westlichen Gesellschaften – sehr viele Menschen heute nicht mehr glauben. Die Geschichte eines Mannes, der stirbt, um dann lebendig wieder aus dem Grab zu steigen, widerspricht allem, was man als aufgeklärter, rational und wissenschaftlich geprägter Mensch für wahr halten kann.
Deshalb sagen viele säkulare Menschen: Die Christen sind naiv, sie glauben an ein Märchen. Die Gläubigen ihrerseits suchen nach Wegen, wie sie mit dieser schwierigen, scheinbar aus der Zeit gefallenen Geschichte umgehen sollen. Ist sie eine fromme Erfindung? Oder ein Gleichnis? Oder eben doch eine Tatsache, erklärbar als physikalische Anomalie?
In erster Instanz zuständig für diese Frage ist die Theologie. Diese wartet freilich nicht mit einer einheitlichen Antwort auf. Der vor zwei Jahren verstorbene evangelische Theologe Klaus-Peter Jörns etwa führt in seinem Buch «Update für den Glauben» (2012) aus, dass eine Religion im Lauf der Zeit immer wieder Neuformulierungen benötige, aber so, dass das Alte unter der jeweils neuen Schicht erhalten bleibe.
Zwei Kräfte wirken weiter
In diesem Sinn schreibt Jörns zur Auferstehung: «Eine leibliche Auferstehung retten zu wollen, indem man ein undenkbares Geschehen als Geheimnis bezeichnet, nimmt die Schöpfung nicht ernst.» Laut der Bibelstelle in Korinther 15,42 («Gesät wird in Vergänglichkeit, auferweckt wird in Unvergänglichkeit») sei Auferstehung ein Sinnbild für das Weiterwirken des Lebensprinzips nach dem Tod: Die schaffenden Kräfte – nämlich Geist und Liebe –, die ein Mensch im Lauf seines Lebens aktiviere, würden nicht vergehen, sondern mitwirken an allem, was nach dem Ableben eines Individuums weiterhin geschehe und entstehe.
Anders argumentiert der Mathematiker und theologische Autor Otto Bachmann in seinem Buch «Der christliche Glaube und die vierte Dimension». Analog zur vierten Dimension der Relativitätstheorie spricht er von einer göttlichen Dimension, die bei der Betrachtung der Wirklichkeit einzubeziehen sei, als Ergänzung zum empirischen Blick, der auf sinnlich Wahrnehmbares fokussiert.
Bei der Auferstehung lassen sich gemäss Bachmann die Naturwissenschaft und das Wunderbare durchaus in Einklang bringen. Die Physik sage, dass Energie niemals verloren gehe, sondern stets umgewandelt werde. «Dadurch ist es denkbar, dass der irdische Leib in eine andere Form der Leiblichkeit übergehen kann.» Vor allem dann, wenn die göttliche Dimension ins Spiel komme. So gesehen sei es sehr wohl möglich, dass die Bibel von einem realen und nicht bloss einem metaphorischen Geschehen künde.
