Wer käme Ihnen in den Sinn, wenn Sie Menschen aus Ihrer Region benennen müssten, die sich für eine zukunftsfähige Gesellschaft einsetzen? Die Schulleiterin, die neue Wege beschreitet? Der Betreiber eines Kleintheaters, der junge Leute aus unterschiedlichsten Lebenswelten zusammenführt? Oder die grüne Pionierin, die schon als junge Frau die Bewegung mitprägte und deren Stimme noch immer Gewicht hat?
500 solcher Wegbereiterinnen und -bereiter sollen nun im Rahmen des anstehenden Berner Reformationsjahrs eine Bühne bekommen. Bald, 2028 nämlich, jährt es sich zum 500. Mal, dass Bern beschloss, die Reformation umzusetzen, Kirche und Glauben zu erneuern, die Messe abzuschaffen und sich vom Papst loszusagen. Aus diesem Anlass bündelt der eigens ins Leben gerufene Verein Berner Reformationsjahr 2028 einen grossen Strauss an Veranstaltungen und Aktivitäten historischer, kultureller und gesellschaftspolitischer Art. Dem Verein gehört auch die Reformierte Landeskirche Refbejuso an.
Mitwirkende sind willkommen
Einer der grösseren Programmpunkte ist das oben erwähnte Projekt «500 für morgen». Umgesetzt werden soll es gemeinsam mit verschiedenen Institutionen und Organisationen. Zugesagt haben bereits Bildung Bern, die Klimaplattform Berner Wirtschaft, der Parc naturel régional Chasseral, das Haus der Religionen Bern, die Geschäftsstelle Bern des Hilfswerks Heks und das Polit-Forum Bern.
«Das Projekt ist noch ganz neu und vieles offen», sagte die Berner Synodalratspräsidentin Judith Pörksen Roder unlängst an einer Medienkonferenz auf der Münsterplattform. Weitere Organisationen und Personen, die das Projekt mittragen und mitentwickeln wollten, seien willkommen und eingeladen, sich beim Verein zu melden. Fünf gesellschaftliche Felder sollen bei «500 für morgen» besonders im Fokus stehen: Kirche, Religion und religiöses Miteinander; Bildung und kritisches Denken; Demokratie, Freiheit und Verantwortung; Chancengleichheit und Solidarität; nachhaltige Wirtschaft und Ökologie.
Dass mündige, selber denkende Bürgerinnen und Bürger die Zukunft mitgestalten, ist eine Errungenschaft der Aufklärung, und an dieser wiederum hat die Reformation einigen Anteil. «Zur DNA der evangelisch-reformierten Kirche gehört die Überzeugung, dass die Reformation ein fortwährender Prozess ist und dass sich die Kirche ständig zu erneuern hat, um ihrem Auftrag treu zu bleiben», sagte Judith Pörksen Roder. Reformen brauche es aber nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft. «Ein gelingender kirchlicher und gesellschaftlicher Wandel wird nicht von Einzelnen, sondern von vielen Menschen bewirkt.»
Die Reformation der Jugend
Bei der Mitgestaltung der Zukunft sollte speziell auch die Stimme junger Leute Gehör finden. Der Schriftsteller und Bühnenautor Lukas Bärfuss sagte es am Medienanlass so: «Die Jungen haben immer recht, denn sie werden noch länger leben als die ältere Generation, und sie schreiben die Geschichte fort.»
Zum Reformationsjubiläum ist deshalb auch ein grosses Projekt mit Jugendlichen geplant, der Disput 2028. Junge Leute zwischen 13 und 19 Jahren kommen im Rahmen dieser Veranstaltung zusammen, um Gedanken, Ideen und Visionen für die Zukunft auszutauschen. Das Erarbeitete kommt dann als szenische Darbietungen auf die Bühne. Und soll auch Niederschlag finden in den «Neuen Berner Thesen»: das heisst in einem Weissbuch zur Nutzung in Schulen, Gemeinden und der Jugendarbeit. Bärfuss fungiert als Kurator des Disputs.
Weitere Anlässe und Vorhaben wie die Spiezer Tagung, Sonderausstellungen, Buchpublikationen, ein wissenschaftliches Projekt der Uni Bern sowie ein Film über den Berner Laienreformator Niklaus Manuel komplettieren das Programm. Das eigentliche Fest zur Reformation findet vom 8. bis 10. September 2028 im und um das Berner Münster statt – an jenem Ort also, der vor 500 Jahren der Brennpunkt grosser Veränderungen war.
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