Kirchenkleinod scheint eine passende Bezeichnung. Die Thuner Scherzligkirche ist klein: Ohne Vordach beträgt die Länge aussen nicht einmal 25 Meter, die Breite 10 Meter – gemessen auf dem Flugbild von Swisstopo; entsprechend noch kleiner sind die Innenräume. Aber andere Eigenschaften machen sie zu einer wahren Preziose unter sakralen Bauten.
Die Kirche Scherzligen ist uralt. Urkundlich erwähnt wird sie – als einer der frühesten Orte im Kanton Bern – erstmals im Jahr 762. Damals schenkte der Bischof von Strassburg die Kirche dem Kloster Ettenheim im heutigen Baden-Würtemberg. Münzfunde zeigen, dass der Ort aber schon in der Antike eine Kultstätte gewesen sein dürfte. Und aus dem fünften oder sechsten Jahrhundert stammt ein Doppelgrab-Mausoleum, über dem die erste Kirche errichtet worden ist.
Turm aus dem zehnten Jahrhundert
Der Turm aus dem zehnten Jahrhundert ist der älteste erhaltene Teil des Gotteshauses. Das heute noch bestehende niedrige romanische Kirchenschiff wurde im elften oder zwölften Jahrhundert erbaut. Und dann, um 1380, «erfuhr die Scherzligkirche die grösste Veränderung ihrer Geschichte vor der Reformation», hält Pfarrer Markus Nägeli fest. Der 72-Jährige hat sich seit den 90er-Jahren vertiefend mit Meditation und Spiritualität auseinandergesetzt und über die Kirche Scherzligen eine Dokumentation verfasst.
