Was der Hahn auf Kirchen zu suchen hat
Auf vielen reformierten Kirchtürmen sitzt ein Hahn. Auch auf den Werbebannern von «reformiert.» Bern ist er neuerdings zu sehen. Wie aber kam das Christentum auf den Gockel?
Der Hahn und die Reformierten gehören zusammen – zumindest in der Schweiz. (Grafik: Konrad Mazanowski)

Gross, fast bildfüllend, rotgefiedert der Leib und grünlich schillernd der Schwanz: So steht er da, der Hahn, und liest die Zeitung. Mit diesem Sujet präsentieren sich die neuen Reklamebanner von «reformiert.» Bern, die künftig an diversen Anlässen zum Einsatz kommen.
Im Hintergrund des Bildes ist verschwommen eine Kirche zu sehen. Der Gockel, der «reformiert.» liest (auf einer anderen Variante mit Ohrstöpseln hört), ist also der Kirchenhahn, der gemeinhin auf den Turmspitzen protestantischer Kirchen als Tierfigur aus Metall angebracht ist, als Wetterhahn und Sinnbild.
Was genau aber ist der religiös symbolische Gehalt des Hahns? Anders gefragt: Wie kam man überhaupt auf die Idee, Hähne auf die Kirchtürme zu setzen?
Von Petrus verleugnet
Zum Hahn gibt es zwei relevante biblische Überlieferungen. Die eine findet sich in den Evangelien in der Geschichte von der Petrusverleugnung. Jesus kündigt seinen Jüngern seine Hinrichtung in Jerusalem an. Sie aber, die Jünger, würden sich bange zerstreuen. Petrus beteuerte: «Ich nicht!» (Mk 14,29) Jesus antwortete: «Amen, ich sage dir: Noch heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben.» So kam es auch. Als Symbol auf dem Kirchturm sagt der Hahn somit: «Mensch, denke an deine unvollkommene Natur, bleibe bescheiden und wisse, dass das Perfekte nur in Gott existiert.»
Der zweite biblische Bezug ist in Jesu Schilderung der Endzeit enthalten. Keiner ausser Gott könne wissen, wann der Erlöser wiederkomme, sagt Jesus, «ob am Abend oder um Mitternacht oder beim Hahnenschrei oder am frühen Morgen». Der Hahn auf der Kirche soll also auch an die Verheissung von Christi Wiederkunft erinnern. Ist er typisch reformiert? In der Schweiz schon. In Süddeutschland kräht er jedoch lieber auf katholischen Kirchturmspitzen.