Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als meine Schwester mich fragte, ob ich die Gotte ihres zweiten Kindes sein wolle. Ich sagte sofort Ja. Für mich war klar, dass ein Gotti etwas Tolles ist. Meine Schwester hatte keine speziellen Erwartungen, die ich als Patin erfüllen sollte. Aber irgendwann fragte ich mich doch: Wie mache ich das nun genau?
Vielleicht hilft ein Blick in die Geschichtsbücher. Taufpaten gab es schon im Frühchristentum.
Sie bezeugten den ernsthaften Taufwillen der meist erwachsenen Täuflinge und halfen bei den Vorbereitungen zur Taufe. Bei Kindern hatten die Taufpaten für eine christliche Erziehung einzustehen. Dazu verpflichten sich Gottis und Göttis bei der Taufe auch heute noch. Hingegen fiel mit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert die Fürsorgepflicht für das Patenkind beim Ausfall von dessen Eltern weg.
Die Beziehung ist zentral
Im Vordergrund steht seither die Beziehung zwischen Kind und Gotte oder Götti. Nach wie vor gibt es Traditionen, etwa in Bezug auf Geschenke. Trotzdem stellten sich mir plötzlich viele schier unbeantwortbare Fragen:
Soll ich pädagogisch und ökologisch sinnvolle Dinge schenken – oder den Plastikschrott, den sich Kinder oft wünschen? Unternehme ich genug mit dem ja noch gar nicht so abenteuertauglichen Bébé? Soll ich mich den anderen Gotten und Göttis in der Familie meines Patenkindes anpassen oder mein eigenes Ding machen? Freiräume können verunsichern.
