517 Grabkreuze. Elisabeth Aeschlimann hat extra noch einmal nachgezählt, um die genaue Zahl nennen zu können. 517-mal hat sie in ihrem kleinen «Budeli» ein Holzkreuz von der Wand genommen und in gotischer Zierschrift, mit weisser Farbe, den Namen eines verstorbenen Menschen draufgemalt.
Seit über 30 Jahren pflegt Elisabeth Aeschlimann für die Kirchgemeinde Eggiwil diese Tradition. Die schlichten Holzkreuze, die so lange stehen bleiben, bis ein Grabstein an den verstorbenen Menschen erinnert, sind im Emmentaler Dorf kleine Kunstwerke. Bei einem Rundgang über den Friedhof könnte Elisabeth Aeschlimann zu jedem Namen auf «ihren» Holzkreuzen auch eine Lebensgeschichte erzählen. «Ich habe diese Leute alle gekannt», sagt sie. Kinder, junge Menschen und alte.
Sie kannte die Verstorbenen
Jeder Todesfall geht Elisabeth Aeschlimann nahe. «Es beschäftigt mich, wenn ich darüber nachdenke, wie schnell so ein Leben vorüber sein kann.» Manchmal habe sie die Menschen, die nun tot sind, ein paar Tage vorher noch im Dorf gesehen. Beim Beschriften der Kreuze denkt Elisabeth Aeschlimann an sie.
Schon das Schulmädchen Elisabeth hatte eine Faszination für schöne Schriften und fürs Schönschreiben. «Ich konnte das auch gut und wurde dafür in der Schule gelobt. Das hat mir natürlich gefallen», erzählt die bald 74-Jährige.
Gelernt hat sie das Handwerk von ihrem Vater. Er führte in Eggiwil ein Malergeschäft und beschriftete auch Bauernschränke oder Holztröge. Die junge Elisabeth schaute zu, schaute ab und half mit.
In Vaters Fussstapfen
Der Vater war in der Gemeinde auch zuständig für die Grabkreuze. Als er wegen einer Krankheit ausfiel, rief der Friedhofsgärtner Elisabeth an. Er brauche ein Kreuz, sagte er. «‹Ich kann das machen›, antwortete ich.» Weil der Vater nicht wieder gesund wurde, übernahm sie definitiv.
