Selina Cadonau war für ihre Adoptiveltern das absolute Wunschkind. Gleichzeitig fühlte sie sich von ihrer leiblichen Mutter in Indien unerwünscht, verlassen, ihr entrissen. Mit dieser Diskrepanz hatte Selina lange zu kämpfen. Sie fühlte sich entwurzelt. So, als ob sie haltlos durchs Universum schweben würde, wie sie es in ihrem Blog beschrieb, in dem sie sich mit ihrer Herkunft und dem Thema Adoption vertieft auseinandersetzte.
Heute sitzt einem eine 44-jährige, selbstbewusste und lebensfrohe Frau gegenüber, die sagt: «Ich spüre meine Wurzeln, weil ich mein Daheim nicht mehr im Aussen suche. Heute bin ich in mir selbst daheim.»
Die Mutter kam zum Stillen ins Waisenhaus
Geboren wurde Selina in Indien. Sie kennt den Vornamen ihrer leiblichen Mutter. Sie weiss, dass diese Frau für die Geburt in ein Krankenhaus ging und dass sie fünf Monate lang täglich ins Waisenhaus kam, um ihr Baby zu stillen.
«Das bedeutet mir sehr viel», sagt Selina, die selber Mutter zweier Töchter ist. «Ja, ich glaube, meine leibliche Mutter wollte mir so ihre Liebe mit auf den Weg geben.» Dieser Weg führte das Baby mit seinen Adoptiveltern ins Bündner Bergdorf Scuol. Dort wuchs Selina mit ihrer Schwester auf, sie ist ebenfalls ein Adoptivkind aus Indien.
