Die Aargauer Kirche brauche eine Leitung mit ihren Fähigkeiten, ist Catherine Berger überzeugt. Damit meint die 1964 geborene Juristin ihre Erfahrung in der Mediation. Die aufgegleiste Kirchenreform könne nur so umgesetzt werden, wie die Kirche aufgebaut sei: «von unten her, nicht von oben herab».
Kirchenpflege und EKS
Berger ist seit gut zehn Jahren im Aargauer Kirchenrat und präsidiert die Pensionskasse der Landeskirche. 2023 wurde sie in den Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) gewählt. In Rheinfelden war sie 13 Jahre lang Präsidentin der Kirchenpflege. Dazu hat sie den dreijährigen Theologiekurs der Landeskirche absolviert.
Im Gespräch werden ihre Verwurzelung in der Kirche ebenso spürbar wie ihr Feuer für die vom Kirchenrat angestossene Reform. «Die Struktur müsste eigentlich dem Inhalt Raum geben.» Doch jetzt seien die Gemeinden in ihren Strukturen gefangen. «Die Einheiten sind zu klein, ihnen fehlt die Luft, um über die Grundversorgung der Mitglieder hinauszudenken», sagt Berger.
Wo der Glaube beginnt
Anders als der bisherige Präsident Christoph Weber-Berg übernimmt Berger das Präsidium ohne den Vorsitz der Geschäftsleitung . Sie plädiert für die Trennung zwischen strategischer und operativer Führung. So seien Entscheide breiter abgestützt und die Präsidentin könne sich auf Kirchenentwicklung und gesellschaftlich relevante Aufgaben konzentrieren.
Obwohl sie nicht Pfarrerin ist, habe sie «theologisch etwas zu sagen», sagt Berger und verweist auf das Priestertum aller Gläubigen in der reformierten Kirche. Sie verortet sich zwischen den Polen: von den Liberalen die Offenheit, die Innerlichkeit der Evangelikalen. «Ich zweifle am Tod, dort beginnt mein Glaube.»
Befreiung und Wachstum
Berger will eine Kirche, welche «die Sprache des Glaubens spricht». Sie will das Engagement der Kirche für Diakonie und Seelsorge stärken und neue Formen der Verkündigung fördern. «Das Evangelium befreit uns als Menschen und als Kirche.»
Wachstum versteht Berger nicht als quantitative Grösse. «Wachstum bedeutet in der Kirche Sinnhaftigkeit und Vertrauen in die Wirkung des eigenen Handelns.»
Die Vielfalt fördern
In welche Richtung die Strukturreform geht, scheint klar: «An grösseren Einheiten führt kein Weg vorbei.» Kirchgemeinden müssten bei der Umsetzung der Veränderungen begleitet werden, jeder Aufbruch wecke Ängste. «Mit der Reform erhalten die Gemeinden den Raum, motiviert vielfältiges Leben zu fördern», sagt Berger.
