Dieses Buch hätte es in der vorliegenden Form vor zehn Jahren noch nicht geben können. Obwohl auch schon damals ausser Frage stand, dass Frauen in Führungsrollen gehören, nicht zuletzt auch innerhalb der reformierten Kirche.
Seither wurden in der Schweiz mehrere Frauen in leitende kirchliche Ämter gewählt, die zuvor fast ausschliesslich von Männern besetzt waren. In Bern etwa Judith Pörksen Roder oder in Zürich Esther Straub, die seit 2020 beziehungsweise seit 2023 die jeweils kantonalen Landeskirchen leiten. Und natürlich Rita Famos. Als erste Frau steht sie seit 2021 der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) vor und vertritt die reformierten Kirchen in der nationalen Politik, in der Ökumene und im interreligiösen Dialog.
Ermutigen und ermächtigen
Der «anregende und unterstützende Austausch mit anderen Frauen in Spitzenämtern» in den vergangenen Jahren hat die Theologin nun dazu inspiriert, den Sammelband «Leadership. Weibliche Perspektiven» herauszugegeben. Das Buch soll der «gegenseitigen Ermutigung und Ermächtigung» dienen, schreibt Famos in der Einleitung, auch für Frauen, die ausserhalb der Kirche Führungsrollen wahrnehmen.
In ihren Aufsätzen beschreiben 18 Frauen ihre unterschiedlichen Erfahrungen in Leitungspositionen. Ein Teil von ihnen kommt aus dem kirchlichen Umfeld, wie Pörksen, Straub oder die libanesische Pastorin Najla Kassab, die bis 2025 Präsidentin der Weltgemeinschaft reformierter Kirchen war.
Weitere Autorinnen sind in Politik, Wirtschaft, Medizin und Gesellschaft tätig, etwa Stephanie von Orelli, die als ehemalige Co-Leiterin der Frauenklinik des Zürcher Stadtspitals Triemli schildert, wie Jobsharing in leitender Position gelingt. Manche Frauen schreiben sehr persönlich, vermitteln damit ein anschauliches Bild der beruflichen Laufbahn. Und alle befassen sich mit der Frage, was gute Leadership ist.
