Der Spaziergang aus dem Bundesasylzentrum (BAZ) in Brugg endete für den jungen Mann aus dem Sudan in einer Panikattacke. Die Seelsorgerin hatte ihm empfohlen, frische Luft zu schnappen, um sich zu entspannen. Doch als er neben der Anlage die Soldaten sah, raste sein Herz. Der Übungsplatz der Schweizer Armee löste in ihm schreckliche Erinnerungen an den Krieg in der Heimat aus. Er rannte zurück in die Unterkunft und legte sich schwer atmend auf sein Bett.
Irmgard Keltsch erzählt diese Geschichte im Speisesaal des BAZ, der nach dem Frühstück fast leer ist. Nur wenige Männer trinken Tee, einige plaudern zusammen, andere starren auf ihre Handys. Die meisten haben Ähnliches wie der junge Sudanese erlebt: Krieg, Verfolgung, Flucht. Für diese Menschen ist Keltsch da. Die reformierte Pfarrerin ist im Auftrag des Ökumenischen Seelsorgediensts einmal pro Woche hier, um zuzuhören. Traumatisiert seien fast alle Geflüchteten, mit denen sie spreche, sagt Keltsch. «Und zwar mehrfach.»
Ein Geräusch löst Panik aus
Was Seelsorgende in den Asylzentren täglich erleben, hat die Wissenschaft seit dem Zweiten Weltkrieg zunehmend beschäftigt. Traumata gehören zu den am besten erforschten Phänomenen der Psychologie. Auch nach den Kriegen in Ex-Jugoslawien und weiteren Konflikten untersuchten Forscherinnen und Forscher immer systematischer, was extreme Erlebnisse mit der menschlichen Psyche machen.
